Chronik
 
Chronik des Landfrauenvereins Wolfskehlen
oder Erinnerungen eines alten Mitglieds

Um die Gründung der Landfrauenvereine verstehen zu können, muss man weit ausholen, bis zurück in das Jahr 1898. In Ostpreußen lebte Elisabeth Böhm, die damals schon erkannte, dass man den Frauen auf dem Land auf irgend eine Weise helfen musste. Sei es durch Selbstvermarktung, Gedankenaustausch u. ä. m. Sie ergriff die Initiative und gründete den ersten "Ländlichen Hausfrauenverein," wie er damals hieß. Die Gründung dieses Vereins machte Furore und wenn es auch Jahre dauerte, so eroberte sich dieser Gedanke eines "Ländlichen Hausfrauenvereins" immer weitere Kreise. Frau Emilie Dehlinger (Weiler Hof) war es schließlich, die hier in Wolfskehlen ebenfalls einen solchen Verein gründete. Auf ihre Anregung folgten Erfelden unter Frau Emilie Schäfer und Worfelden unter Frau Kätha Gärtner. Diese drei Orte sollten auch die einzigen solcher Vereine im Kreisgebiet bleiben. Schon damals konnten alle Frauen auf dem Lande Mitglied werden, was heute noch der Fall ist. Nach 1933 übernahm der damalige "Reichsnährstand" die Vereine. Die Wolfskehler Frauen trugen bei besonderen Anlässen kornblumenblaue Kleiderröcke mit einer weißen Bluse darunter. Nach dem zweiten Weltkrieg zerfielen im ganzen Reichsgebiet diese Vereine. Es dauerte aber nur drei Jahre bis die Vereine wie weiland Phönix aus der Asche wieder auferstanden. Gräfin Leuthrum rief diese unter dem jetzigen Namen "Landfrauenverein", mit dem Wahrzeichen der fleissigen Biene, erneut ins Leben.

Auch dieses Mal war es bei uns in Wolfskehlen wiederum Frau Emilie Dehlinger (Weiler Hof), die mit Unterstützung von Frau Thekla Götz für diesen Verein die Werbetrommel rührte. Und so kam es 1949 zu einer Gründung eines Landfrauenvereins Wolfskehlen.

Die Gründungsmitglieder 1949 waren:
Dehlinger, Emilie †
Dörr, Marie
Fuchs, Margarethe †
Götz, Thekla †
Hammann, Anneliese
Osterod, Marie
Schäfer, Anna †
Schäfer, Margarethe †
Schaffner, Anna
Schaffner, Marie

Wie schon 1929, so waren auch jetzt die drei Orte, Wolfskehlen, Erfelden und Worfelden die Pioniere, die den Anfang der Landfrauenvereine im Kreisgebiet machten. Thekla Götz war die 1. Vorsitzende, Kätchen Hammann die zweite. Aus mehr Frauen bestand der damalige Vorstand nicht. Es musste sich ja alles erst einspielen.

Thekla Götz gab aus persönlichen Gründen den Vorstand bald ab. Ein führerloser Verein kann nicht existieren. So übernahm Margarete Schäfer (Lerche) provisorisch den Vorsitz, bemerkte aber gleich ": nur so lange, bis eine neue Vorsitzende gewählt ist." Dies geschah ein paar Wochen darauf und zwar im Garten vom Weiler Hof, wo die Landfrauen zu einem Besuch waren. Als die Landfrauen am späten Nachmittag wieder nach Hause fuhren, hatten sie eine neue Vorsitzende, Erika Schäfer, so geschehen Sommer 1951.

Es war kein leichter Anfang, wurde doch der Landfrauenverein von vielen belächelt. Viele gaben dem Verein keine Chance und meinten, der würde in nicht allzu langer Zeit doch nicht mehr bestehen. Sogar von den eigenen Berufskollegen- und Kolleginnen kamen diese Unkenrufe. Doch da kannten sie Erika Schäfer noch nicht richtig. Sie, die zwar einen Landwirt geheiratet hatte, selbst jedoch nicht aus der Landwirtschaft stammte, nahm den Fehdehandschuh auf und kämpfte um eine vollständige Anerkennung dieses Vereins. Unterstützung hatten die damaligen Vereine an Emilie Dehlinger, die 1950 Kreisvorsitzende wurde und an Fräulein Luise Goldschmidt von der Landwirtschaftsschule für Mädchen in Groß-Gerau.

Am Anfang gab es immer wieder einmal ein Auf und Ab im Verein. Mal war die Mitgliederzahl größer, wie zu Anfang der Gründung. Dann wurde die Mitgliederzahl wieder kleiner durch den Austritt der jungen Mädchen, die durch Heirat von Wolfskehlen wegzogen, oder meinten, sie dürften nicht mehr im Verein sein, da ihr zukünftiger Ehemann nicht dem bäuerlichen Beruf angehörte. Es war zu Anfang auch so, daß die Mitglieder nur von Frauen aus landwirtschaftlichen Betrieben stammten.

Mit den Jahren entstanden immer mehr Landfrauenvereine in den einzelnen Ortschaften. Heute sind es 21 Ortsvereine mit zusammen über 2000 Mitgliedern. Der Ortsverein Wolfskehlen ging unbeirrt seinen Weg weiter. Ein Anliegen lag der Vorsitzenden sehr am Herzen. Sie wollte unbedingt den Verein auch für Nichtbauersfrauen öffnen, denn letztendlich ist eine jede Frau, die auf dem Land wohnt, eine Landfrau, im Gegensatz zur Stadtfrau. Sie freute sich als sie endlich Erfolg sah. Die ersten "Nichtbauersfrauen" waren zwei ehemalige Bauerntöchter, die aber nicht mehr in den Bauernstand geheiratet hatten. Diese Frauen machten nun auch von sich Reklame. Endergebnis: immer mehr Nichtbauersfrauen fanden den Weg zu uns.

Das erste Jubiläum feierten wir nach 15 Jahren. Zu jener Zeit waren die Landfrauenvereine noch nicht so mitgliederstark, so dass wir die Ortsvereine von Biebesheim, Dornheim und Leeheim zu unserer Feier einladen konnten. Es wurde ein sehr schöner, gelungener Abend. Der Saal des "Schützenhofs", Fritz Kurz, war voll besetzt und den Gästen gefiel es so gut bei uns, dass sie gar nicht mehr heimgehen wollten.

Auch Ausflüge wurden unternommen, meistens mit einer Besichtigung verbunden. So z. B. besichtigten wir die WMF in Geislingen/ Steige; die damals noch existierenden Flamerwerke (Waschmittel) in Heilbronn. Wir besuchten die WLZ in Ludwigsburg, verbunden mit einer Modenschau und anschließender Schlossbesichtigung. In Höhr-Grenzhausen besichtigten wir eine Steinguttöpferei. Es sind dies nur einige Aufzählungen. Aber eine Fahrt darf hier auf keinen Fall vergessen werden, nämlich der Besuch bei den Landfrauen in Rittmannshausen an der Zonengrenze. Wir fuhren zuerst nach Altenburschla, das in jenen Jahren dreimal Bundessiegerin in "unser Dorf soll schöner werden" war. In Altenburschla stieg die damalige Bezirksvorsitzende von Eschwege (sie wohnte in diesem Ort) zu uns in den Bus und die Fahrt entlang der Zonengrenze begann.

Mathilde Heckerodt erklärte uns alles sehr anschaulich, zeigte uns den Verlauf der Grenze und sogar die Teilung von Ortschaften. Man merkte bei ihr die Liebe zu ihrer Heimat, hörte aber auch die Trauer heraus, die sie über die Teilung empfand. Die Frauen im Bus hörten aufmerksam zu, war es doch für die große Mehrheit das erste Mal, dass sie mit der Zonengrenze konfrontiert wurden. Nachmittags wurden die Wolfskehler Landfrauen dann von den Rittmannshäuser Kolleginnen begrüßt. Ein lustiges, geselliges Völkchen, mit denen wir ein paar schöne Stunden verlebten. Ein Jahr darauf erwiderten die Landfrauen von Rittmannshausen den Besuch in Wolfskehlen, wo die Freundschaft aufgefrischt wurde.

Einmal unternahmen wir sogar mit unseren Ehemännern einen Tagesausflug zum Kloster Maulbronn, Stuttgart und den Schwarzwald. Das Kloster Maulbronn konnten wir leider nicht von innen besichtigen, aber den Maulbronner Wein ließen wir uns schmecken. In Stuttgart besuchten wir die ehemalige "Reichsgartenschau" auf dem Killesberg, aßen in Stuttgart noch zu Mittag und weiter ging es in den Schwarzwald. Es war zu damaliger Zeit noch keine Selbstverständlichkeit, daß die Frauen einen Ausflug organisierten und die Männer mitnahmen. Jedoch dieses Wagnis hatten wir uns zugetraut und es wurde ein sehr schöner Tag, sogar die Männer erkannten dies neidlos an.

So langsam verschwanden die Spottnamen wie Hutgeschwader oder Rumpsteakclub. Der Landfrauenverein wurde immer mehr anerkannt, zumal er immer zur Stelle war, wenn um Mitwirkung oder sonstige Hilfe gebeten wurde, Als unsere Kirche renoviert und die Kriegsschäden beseitigt wurden, veranstalteten die Landfrauen ihren ersten Basar. Wochenlang wurde hierfür gebastelt, genäht, gestrickt, gestickt und bemalt. Endlich kam der große Tag heran. Es war bekannt, dass der Erlös für die Reparatur des Kirchturms gespendet werden sollte. Auch hatten wir, wie es bei so einem Anlass üblich ist, eine Kuchentheke aufgebaut. Der Kuchen war als erstes ausverkauft, da sich viele einen Teller voll Kuchen mit nach Hause nahmen. Aber auch sonst war der Erfolg groß. Eine Stunde vor Basarschluss war alles verkauft und wir mussten schließen. Pfarrer Hund meinte damals, nachdem er die Spende erhalten hatte, ein Drittel vom Turm haben die Landfrauen bezahlt. Wir freuten uns sehr darüber, war es doch für uns ein Zeichen, dass unsere Arbeit anerkannt wurde. Als dann die Renovierungsarbeiten fertig waren und die Kirche sauber gemacht werden musste, waren die Landfrauen auch wieder zur Stelle.

Stolz waren wir als wir bei dem Wettbewerb "unser Dorf soll schöner werden", den dritten Preis erhielten, hatten die Landfrauen doch zuvor einen Großeinsatz getätigt und alle öffentliche Plätze, wie z. B. um die Kirche, Friedhof usw. vom Unkraut befreit und sauber gemacht. Die Plakette, die die Gemeinde damals in unserer Anwesenheit überreicht bekam, müsste eigentlich noch irgendwo bei der Gemeinde verankert sein.

Im Landfrauenkreisverein, wie es damals noch hieß, gab es bis 1966 nur eine erste und zweite Vorsitzende, alles andere übernahmen die Damen von der Landwirtschaftsschule. Bei uns war dies erst Fräulein Luise Goldschmidt, dann nach deren Pensionierung, Fräulein Knackstädt und Redwanz, später Frau Stenzel. Sie zeigten den Vereinen wo es lang ging. In den sechziger Jahren wurde diese Tätigkeit des Lehrkörpers dann von den Kammern untersagt. Die Vereine sollten nun auf sich selbst gestellt werden. Wir merkten es als erstes daran, dass ein Kreisvorstand gewählt werden musste, bestehend aus sieben Damen. Natürlich mussten die Ortsvereine dieser Auflage ebenfalls Folge leisten und ihrerseits auch einen Vorstand wählen, hatten sie bis dato ja auch nur eine erste und zweite Vorsitzende, sowie eine Rechnerin (was beim Kreisverein die Kassenverwalterin der Schule übernommen hatte). 1970 war es dann so weit. Es ging alles in die Regie des Kreisvereins und der Ortsvereine über. Praktisch wurden wir ins kalte Wasser geworfen, lernten das Schwimmen aber recht schnell. Frau Liselotte Ehrhardt, Trebur, löste Frau Anna Wagner, Büttelborn, als Kreisvorsitzende ab. Frau Wagner übernahm auf eigenen Wunsch die Geschäftsführung, Kassenverwalterin wurde Frau Erika Schäfer, Wolfskehlen. Mit Frau Ehrhardt, einer ehemaligen Landwirtschaftslehrerin, bekam der Kreisverein eine rührige Vorsitzende, die auf allen Gebieten und Belangen ihre Frau stellte. Auch der Landesverband trat nun für die einzelnen Ortsvereine mehr in Erscheinung. Kurz: wir Landfrauen brauchten nicht lange und wir kamen ohne die Damen der Schule zurecht. Im Gegenteil, es machte nun erst recht Spaß und Freude für den Landfrauenverein zu arbeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch zwei hessische Landfrauenverbände, Hessen-Nassau und Kurhessen. So langsam sah man ein, daß es auf die Dauer untragbar ist, innerhalb eines Bundeslandes zwei derartige Verbände zu haben. Man dachte über eine Fusionierung nach. Mitgliederversammlungen und verschiedene Sitzungen der Ausschüsse fanden statt. Schließlich hatten die Parteien sich "zusammengerauft" und der Zusammenschluss konnte Anfang 1973 in Kassel stattfinden. Nun gab es in Hessen, unter Führung einer neu gewählten Landesvorsitzenden, Frau Irmgard Reichhardt (sie war zuvor die zweite Vorsitzende des Landesverbandes Hessen-Nassau), nur noch einen Landesverband, unter dem Namen Landfrauenverband Hessen e.V. Warum diese Angelegenheit auch in der Wolfskehler Chronik steht? Nun, dies alles betraf und ging auch die Ortsvereine an, sind sie doch die Grundpfeiler, auf denen der Verband aufbaut. Ohne die Abstimmung der Mitglieder hätte die Fusionierung nicht so schnell stattfinden können. Noch etwas änderte sich. Durch die Gebietsreformen in Hessen ergab sich der zwingende Grund, die bisherigen Kreisvereine in Bezirksvereine umzuändern. Von da ab heißt es nun "Bezirksverein Groß-Gerau".

Der Landfrauenverein war schon immer bestrebt, seinen Mitgliedern interessante Vorträge und Kurse anzubieten, was sich bis heute nicht geändert hat. Eine kleine Auswahl: Schlachten von Hühnern mit sachgerechter Vorbereitung für Verzehr und Verkauf. Oder: richtige Schweine- und Ferkelhaltung und deren neuzeitlichen Fütterung. Auch ein Melkkurs an einem Gummieuter wurde mit viel Spaß und Gelächter absolviert. Doch bald mussten die Seminarteilnehmer- und Teilnehmerinnen erkennen, dass ein Gummieuter gar nicht so leicht zu melken war und ziemlich Kraft in den Händen erforderte. Heute lachen wir über diese Themen, doch bei der damaligen Struktur des Vereins, dazu kamen noch der Umbruch und Neubildungen in der Zeit nach den Kriegsjahren, waren dies willkommene Vorträge.

Heute haben die Themen andere Namen und sind mehr der Jetztzeit angeglichen. Trotzdem haben wir auch immer wieder aktive und kulturelle Vorträge bzw. Kurse. So z.B. Ikebana, Seidenmalerei, Fertigung von Weihnachtsgestecken, um nur ein paar wenige zu nennen.

Das Vereinsheim der Landfrauen änderte sich im Laufe der Jahre auch einige Male. Das ursprüngliche Treffen fand in der Gastwirtschaft "Schützenhof", Inh. Fritz Kurz, statt. Nachdem die Familie Kurz ihre Wirtschaft zumachten, wanderten wir in den "Darmstädter Hof", Inh. Paul Schickert. Als auch diese schlossen, weichten wir ins Bürgerhaus aus. Sehr lange waren wir dort nicht beheimatet. Unseren Mitgliedern wurde es im Winter im kleinen Saal zu kühl, da er nicht richtig beheizt war. Der Bestand des Vereins hing damals wirklich an einem seidenen Faden und so waren wir recht froh und dankbar, dass uns Pfarrer Hund und Kirchenvorstand die Erlaubnis gab, ins evangelische Gemeindehaus (alter Kindergarten) einzuziehen. Im Dezember 1979 hielten wir hier unsere erste Weihnachtsfeier ab und ab Januar 1980 konnten wir mit einem kleinen Unkostenbeitrag immer Küche und Saal benutzen. Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt und wollen an dieser Stelle nochmals unseren herzlichsten Dank für diese Heimstätte aussprechen und hoffen gleichzeitig mit ins neue evangelische Gemeindehaus umziehen zu dürfen. Eine weitere Rückschau sei mir gestattet. Eine Frau dürfen wir nicht vergessen, Frau Lena von Wersebe, seit 1953 Gemeinschaftsführerin des damaligen Landesverbandes Hessen-Nassau. Sie hat viel zum Gelingen der Landfrauenarbeit beigetragen. Sie hielt immer wieder Schulungen in den einzelnen Bezirksvereinen für die Vorsitzenden ab, hielt Vorträge in einzelnen Ortsvereinen, sie gab Impulse weiter, kurz, sie war die rechte Frau am rechten Fleck. Anfangs musste sie immer die Bundesbahn benutzen, wenn sie die Bezirks- oder Ortsvereine besuchen wollte. Der Landesverband verfiel dann auf den Ausweg, ein jedes Mitglied solle einmalig 1 DM mehr bezahlen und Frau von Wersebe könnte einen Dienstwagen erhalten. Begeistert waren die Mitglieder hierüber nicht, aber was blieb ihnen übrig als zu zahlen. Und letztendlich kam ja eine motorisierte Geschäftsführerin allen zugute.

In den fünfziger Jahren bildeten sich hier und da Genossenschaften für Gemeinschaftsgefrieranlagen. Es blieb nicht aus, dass auch in Wolfskehlen ein Vertreter in dieser Angelegenheit vorsprach, und wer war der Ansprechpartner? Die Landfrauen! Es wurde ein Termin vereinbart, an dem die Landfrauen und interessierte Männer zu einer Besichtigungsfahrt aufbrachen. Es ging über den Rhein, denn hier standen schon die meisten solcher Anlagen. Es war für die Wolfskehler ein interessanter Nachmittag und sie waren nicht ganz uninteressiert an einer Gefrieranlage. Die ganze Aktion scheiterte jedoch an einem geeigneten Ort, wo eine solche Anlage aufgebaut werden konnte und an der Finanzierung. Schließlich schafften sich die Wolfskehler privat Gefriertruhen an, was die bessere Entscheidung war, wie die Zukunft zeigte.

Über die Lebensrettungsgesellschaft boten wir einen Schwimmkurs im Hallenbad Rüsselsheim an. Er wurde rege in Anspruch genommen und brachte dem Verein auch neue Mitglieder ein. Überhaupt wuchs die Mitgliederzahl stetig an und lange Zeit war der Wolfskehler Verein der größte Landfrauenverein im Bezirksverein Groß-Gerau, bis er von Trebur überholt wurde. Zu der Zeit, als Landrat a.D. Willi Blodt noch Bürgermeister von Wolfskehlen war, drehte er einen Heimatfilm über Wolfskehlen und Wolfskehler Bürger. Diesen Film untermalten die Wolfskehler Landfrauen unter Leitung von Gerhard Klett mit einigen Volksliedern. Ein anderes Mal sangen die Wolfskehler Landfrauen bei einer Bezirksfeier im Rüsselsheimer Theater das Lied "an die Freude". Die Leitung hatte der leider schon verstorbene Dirigent des Männergesangsvereins, Peter Wilhelm Barthel, Büttelborn. Hinterher wurde uns berichtet, dass die anwesenden Damen und Herrn vom Theater hinter der Bühne standen und zuhörten und nicht glauben wollten, dass hier ein Landfrauenchor sang. Aber singen konnten die Landfrauen schon immer.

Weit über Wolfskehlens Grenze hinaus wurde unser Verein durch unsere jährliche Fastnachtsveranstaltung bekannt. Die erste Zeit spielten wir nur an einem Abend, jedoch schon bald mussten wir noch einen zweiten Abend hinzunehmen und jedes Mal war der Saal ausverkauft. Es wurde allgemein bedauert als diese Abende nicht mehr stattfinden konnten.

Als die erste Vorsitzende Erika Schäfer 35 Jahre Vorsitzende des Landfrauenvereins Wolfskehlen war, bereiteten ihr die Mitglieder unter der damaligen zweiten Vorsitzenden Doris Kurath heimlich, ohne Wissen der Vorsitzenden, einen Festabend vor. Die freiwillige Feuerwehr stellte hierfür ihre ausgeräumte Wagenhalle zur Verfügung und einhundert Landfrauen oder mehr freuten sich über ihre gelungene Überraschung und feierten diesen wirklich schönen, harmonischen Abend mit ihrer Vorsitzenden. Den Abschluss machte die Gratulationskur, wobei die Frauen in Dreiergruppen gratulierten. Jede überreichte eine langstielige Rose und dazu wurde in der jeweils dazu gehörenden Kleidung in Versform ein Rückblick auf die Tätigkeiten der Landfrauen dargebracht. Die dazugehörenden Verse hierzu stammten von Adelheid Reinhardt. Erika Schäfer war am Ende so gerührt, dass sie kaum die Dankesworte sprechen konnte. Auch freuten sich die Mitglieder mit ihrer Vorsitzenden, als diese den Ehrenbrief von Riedstadt und einige Jahre später den Ehrenbrief des Landes Hessen bekam. Erika Schäfer sagte seinerzeit in ihren Dankesworten, sie sehe in diesen Auszeichnungen nicht nur eine persönliche Ehrung, sondern gleichzeitig eine Ehrung des Wolfskehler Landfrauenvereins, denn ohne die Mitarbeit ihres jeweiligen Vorstands und den Mitgliedern hätte sie diese Ehrung ja nie bekommen können.

So ging ein Jahr nach dem anderen vorüber. Im Bezirksverein gab es Mitte der achtziger Jahre einen Wechsel an der Führungsspitze. Frau Lotti Ehrhardt legte auf eigenen Wunsch ihr Amt als Bezirksvorsitzende nieder. An ihre Stelle trat die bisherige zweite Vorsitzende, Frau Irene Fückel, Trebur, die nun bis dato die Führung des Bezirksvereins übernahm.

Das Jahr 1989 kam und brachte das vierzigjährige Jubiläum des Landfrauenverein Wolfskehlen mit. Es war dies auch der Zeitpunkt, wo sich die bisherige Vorsitzende Erika Schäfer sagte: "38 Jahre Ortsvorsitzende ist genug" und dieses Amt nach dem Jubiläum in jüngere Hände übergab. In die Hände von Liselotte Rupp, die ihr vollstes Vertrauen hatte und von der sie auch wusste, dass sie die Eigenschaften Mut und Kraft besaß, den Aufgaben, die die Führung eines solchen Vereins erforderten, gerecht zu werden. Das Jubiläum war für die bisherige Vorsitzende ein schöner Abschluss ihrer Amtszeit. Als der Landfrauenchor unter Leitung von Gerhard Klett zum Abschluss den Chor "Ein schöner Tag" sang und einen solchen Applaus erhielt, dass der Chor wiederholt werden musste, hatten die Landfrauen Tränen in den Augen.

Weitere hervorstechende Aktivitäten unter der Führung von Liselotte Rupp: Die Mitglieder trugen Kochrezepte zusammen und daraus entstand das "Wolfskehler Landfrauenkochbuch". Es fand sehr großen Anklang und immer wieder mussten Neuauflagen gedruckt werden. Ferner gab es noch ein kleines Büchlein mit Erdbeerrezepten. Es fand "Kirche im Grünen" statt, unter Mitwirkung des Männergesangsverein und dem Chor der Landfrauen. Der jährliche "Adventsmarkt" am Samstag vor dem 1. Advent wurde von den Landfrauen ins Leben gerufen.

Im Turnus von zwei Jahren findet eine "Modenschau auf dem Bauernhof" statt, die bis jetzt jedes Mal auf dem Aussiedlerhof "Birkenhof" abgehalten wurde. Hierbei werden Trachten, Landhauskleider und andere modische Bekleidung vorgeführt, was bei unseren Mitgliedern und Gästen immer wieder gut ankommt.
In Absprache mit der Gemeinde wurden von uns in Wolfskehlen Bänke aufgestellt und Bäumchen gepflanzt, ebenso wurde im Pfarrgarten ein Bäumchen gepflanzt.
In den letzten Jahren sind weitere Mitglieder den Landfrauen beigetreten, auch jüngere und junge Frauen, was für einen Verein sehr wichtig ist.

Die Landfrauen waren und sind immer bestrebt ihrem Emblem der "Biene" gerecht zu werden. Der Biene, die als Sinnbild des Fleißes gilt, aber auch in gewisser Hinsicht ein Sinnbild der Zusammengehörigkeit ist.

Im Jahre 1999 sind es nun zehn Jahre, dass Liselotte Rupp die Führung des hiesigen Landfrauenvereins übernahm und fünfzig Jahre, dass es einen Landfrauenverein Wolfskehlen gibt.

50 Jahre Landfrauenverein Wolfskehlen
50 Jahre Landfrauenarbeit

Ein stolzes, erhebendes Wort. Zumal, wenn man auf die Anfangszeiten zurückblickt, wo so mancher Pessimist dem damals jungen Verein keine fünf Jahre gab.

Nach fünfzig Jahren können wir mit Stolz sagen: Dieser Verein hat sich heute voll und ganz in das Wolfskehler Vereinsleben integriert und belebt, genau wie die anderen bodenständige Vereine, das Gemeindebild von Wolfskehlen. Möge der Landfrauenverein Wolfskehlen auch in Zukunft weiter bestehen und seinen Aufgaben gerecht werden.

Erika Schäfer

 
Das nächste Jubiläum ist im Jahre 2009 - 60 Jahre Landfrauenverein Wolfskehlen